Eine WG zum Verlieben Band 4 - endlich!
Schloss aus Glas: Der „furchtbar-berührende“ Bestseller von Jeannette Walls

Dieses Jahr lag unter unserem Weihnachtsbaum ein Buch, von dem ich zunächst dachte, dass es mir auf gar keinen Fall gefallen könnte. Der Klappentext hat mir fast einen Schreck eingejagt:

Jeannette Walls ist ein glückliches Kind: Sie hat einen Vater, der mit ihr auf Dämonenjagd geht, ihr die Physik erklärt und die Sterne vom Himmel holt. Da nimmt sie gerne in Kauf, immer mal wieder mit leerem Bauch ins Bett zu gehen, ihre egomanische Künstlermutter zu ertragen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Mit den Jahren allerdings werden die sozialen Verhältnisse schlimmer, die Sprüche des Vaters schaler und das Lügengebäude der Eltern so zerbrechlich wie das Schloss aus Glas, das der Vater jahrelang zu bauen versprochen hatte.
Rückblickend erzählt Jeannette Walls von ihrer Kindheit in einer Familie, die man sich verrückter und unkonventioneller, aber auch unverantwortlicher nicht vorstellen kann.

Ich lese für gewöhnlich mit Vorliebe Krimis, Thriller und Liebesromane. Diese Autobiographie von Jeannette Walls fiel demnach so ganz und gar nicht in mein übliches „Beuteschema“, zumal ich mir darunter eine bedrückende, schwere Lektüre vorstellte.

Wie das aber so ist mit geschenkten Büchern, ich fühle mich immer verpflichtet sie durchzulesen. Also schlug ich irgendwann die erste Seite von „Schloss aus Glas“ auf und wappnete mich auf alles, aber nicht auf den Zauber dieses Buches, dem ich so rasend schnell erliegen sollte.

Der Klappentext kündigt die Geschichte einer Kindheit in Armut und Chaos an, doch die ersten Seiten des Romas stellen der Leserin eine erwachsene Frau aus der New Yorker Oberschicht vor. Wie passt das zusammen? – ist die Frage, die mir (wie vermutlich den meisten Leserinnen) für den restlichen Romanverlauf im Kopf herumgeisterte, und die meine Neugierde bis zur letzten Seite aufrechterhielt.

Jeanette Walls beginnt ihre Autobiographie mit dieser kurzen Rahmenhandlung, was in meinen Augen ein außerordentlich genialer erzähltechnischer Schachzug war. Doch stellt die Autorin nicht nur mit dieser Entscheidung ihre schriftstellerisch Klasse unter Beweis ...

Die Haupthandlung führt in längeren Erzählepisoden chronologisch durch die Kindheit der Autorin. Es gibt die verbreitete Ansicht, dass wahre Geschichten langweilig wären. Das mag meistens stimmen, aber nicht im Fall von Jeannette Walls‘ Leben, dessen Schilderung mir im Geiste nicht nur einmal ein entsetztes „Ist das wahr?“ oder ein wütendes „Das kann nicht wahr sein!“ entlockt hat.

So habe ich schockiert und fasziniert zugleich Seite um Seite den Werdegang Jeannettes und ihre Familie begleitet. Das Leben der Walls erscheint in seiner Schilderung geprägt von Freiheitsdrang und sozialem Versagen der Eltern, bitterer Armut und Außenseiterdasein.

Erzählt wird das alles aus der erst unbedarften, später immer verständigeren Sichtweise der heranwachsenden Jeannette. Die Kinderperspektive macht den ganz besonderen Reiz dieser Autobiographie aus. Sie gibt der Erzählung Leichtigkeit, jedoch ohne die Tragik der Geschehnisse auszublenden, welche feinsinnig zwischen den Zeilen mitschwingt.

Die Sprache der Autorin ist prägnant und dennoch stets gefühlvoll. Wer sich davon nicht berühren lässt, ist vermutlich ein herzloser Klotz. Doch trotz der kaum bestreitbaren Härte ihres Schicksals, verirrt sich Jeannette Walls niemals in Schreckensschilderungen oder gar Selbstmitleid. Die Autorin versteht es den Punkt an der richtigen Stelle zu setzten, und lässt dabei manche Dinge bewusst für sich selbst stehen.

Die Übersetzung ins Deutsche ist erstklassig und nimmt dem Buch nicht Charme und Geist.

Mein Fazit fällt eindeutig, aber völlig emotional aus:

„Schloss aus Glas“ ist ein Buch das jede lesen und als besonderen Schatz aufbewahren sollte. Denn manchmal schreibt eben doch das Leben die besten Geschichten.

 

 
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