Eine WG zum Verlieben Band 4 - endlich!
Mein Herz schlägt für Ellen Hart

Ich werde häufig gefragt was ich persönlich gern lese. Deswegen will ich heute auf meine Lieblingsautorin aufmerksam machen: Ellen Hart

 

Ich muss vorwegnehmen, dass ich sehr gern englische Bücher lese. Das bedeutet nicht, dass ich englischsprachige AutorInnen grundsätzlich für die besseren SchriftstellerInnen halte. Nur leide ich – wie wohl die meisten SchriftstellerInnen – unter einem absonderlichen Phänomen, das ich den „inneren Lektor“ nenne. Wenn ich ein Buch lese, ist mein Unterbewusstsein immer damit beschäftigt das Geschrieben zu analysieren. Mein „innerer Lektor“ bewertet Seite um Seite, Wort um Wort, überprüft Stil und Plot, deckt Fehler auf, gratuliert zu gelungenen Kapiteln … kurzum: Er stört mit seinem Analysewahn meinen Lesegenuss. Wenn ich auf Englisch lese, hält sich die kleine Nervensäge dankenswerterweise zurück. Ich nehme an, das ist so, weil Englisch nicht meine Muttersprache und damit auch in meiner Wahrnehmung nicht omnipräsent ist.


Auf Ellen Hart bin ich aufmerksam geworden, weil sie auf sehr hohem Niveau zwei meiner bevorzugten Genre kombiniert: „Mystery“ und „lesbian fiction“
Sie schreibt seit über 20 Jahren eine Romanserie, in deren Zentrum Jane Lawless steht, eine Restaurantbesitzerin aus Minneapolis. Jane schliddert ein ums andere Mal unverhofft in eine Mordermittlung hinein und kann dank ihrer ausgeprägten Spürnase nicht anders, als den Fall zu lösen. Dabei kreuzen immer wieder faszinierende Frauen ihren Weg, wenngleich das Liebesglück Jane nicht immer hold ist. Stets zur Seite steht Jane ihre beste Freundin Cordelia Thorn, eine – gelinde ausgedrückt! – exzentrische Theaterintendanten, die für einigen Wirbel sorgt.

 

Ellen Hart ist eine derart begnadete Autorin, dass ich kaum weiß, womit ich meine ehrlich gemeinte Lobeshymne beginnen soll. Sie versteht es in jedem ihrer Romane Charaktere zu erschaffen, die Vielschichtigkeit und Tiefe besitzen. Vom Opfer bis zur unwichtigen Nebenfigur sind ihre Charaktere bis ins kleinste Detail stimmig, sodass die gesamte Geschichte faszinierend glaubhaft wirkt. Anteil daran trägt nicht zuletzt, dass sie ihre Plots mit der gleichen Sorgfalt entwickelt. Die Basis einer jeden Geschichte ist, dass Ellen Hart komplexe Beziehungen zwischen ihren Romancharakteren entwirft. Abhängigkeiten reichen – teilweise weit – in die Vergangenheit zurück, werden sukzessive auf den Tisch gebracht und damit nicht nur nachvollziehbare, sondern auch zahlreich Mordmotive aufgeworfen, womit ich zu Ellen Harts ganz besonderer Spezialität kommen möchte: Ich weiß meistens bis zum Ende NICHT, wer der Mörder ist. Es gibt nichts Schlimmeres, als schon auf Seite 100 eines Krimis zu ahnen, wer der „Bösewicht“ ist und warum er die schlimmen Dinge getan hat. Leider geht es mir oft so, umso begeisterter bin ich, dass Ellen Hart mich derart erfolgreich an der Nase herumführt.

 

Stilistisch ist Ellen Hart versiert und unglaublich sicher. Ihre Sprache ist verständlich, an den richtigen Stellen emotional oder bildhaft. Beim Erzählen besitzt sie eine ordentliche Portion Witz und nebenbei auch ein Händchen für das Amouröse. Sie kann mit Rückblenden arbeiten ohne zu langweilen – im Gegenteil! – und hält für das Ende immer einen rasanten Showdown parat.

 

Leider kann ich nichts dazu sagen, wie gut oder schlecht die deutschen Übersetzungen der „Jane Lawless Serie“ gelungen sind. Ich weiß lediglich, dass die meisten Exemplare inzwischen vergriffen und die neueren Roman nicht mehr aufgelegt sind. Vielleicht hilft ein bisschen Stöbern im Antiquariat oder – was ich rate – der Griff zur englischen Originalausgabe.

 

Wer faszinierende Charaktere und einen raffinierten, queer angehauchten, Plot lesen will, wird Ellen Hart lieben. Ich jedenfalls lege jedem ihre Romane wärmstens ans Herz, mein eigenes habe ich längst an sie verloren.


 
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