Wie lange dauert es einen Roman zu schreiben?

Ich weiß nicht wie oft mir diese Frage im letzten Jahr gestellt wurde. So häufig, dass ich es inzwischen nicht mehr sagen kann, aber es waren gefühlte hundertmal.

Leider ist es problematisch, eine konkrete Antwort auf diese Frage zu geben. Zwar lesen sich manche Romane, als hätte der Autor/in beim Entwerfen der Handlung ein Backrezept befolgt, aber im Gegensatz zu diversen Kuchenrezepten, ist der Zeitaufwand im Fall eines Manuskripts nicht pauschal benennbar. Kreativität ist leider weder meßbar noch kalkulierbar, und ohnehin ein Mysterium für sich.

Was ich allerdings kann, ist über ein kleines Rechenspielchen herleiten, wie viele Tage ich ungefähr benötige, um eine Romanerstfassung zu schreiben. Das will ich hier tun:

An einem Schreibtag tippe ich durchschnittlich 1000 Worte. Ich gebe hier einen ungefähren Wert an, den ich nicht statistisch ermittelt, sondern aus meiner Erfahrung abgeschätzt habe. 1000 Worte schaffe ich normalerweise recht problemlos in einer *Schreibsession*. Aber es gibt auch Tage, an denen ich wie im Fieberwahn die doppelte oder dreifache Anzahl schreibe. In anderen Phasen starre ich bloß auf den weißen Bildschirm, und bin froh, wenn ich ein paar hundert Worte tippe.

Ein Roman von 250 Buchseiten umfaßt etwa 75.000 Worte. (300 Worte = 1 Buchseite) Teile ich nun die 75.000 Worte durch meine 1000 Worte pro Tag, erhalte ich als Ergebnis 75 Tage.

Das ist, was mein Schreiben betrifft, eine durchaus realistische Größenordnung. Allerdings muss ich dazusagen, dass ich nicht jeden Tag in der Woche schreibe, sondern mir konsequent zwei Tage je Woche von der Schreiberei frei nehme.

Viele Schreibratgeber empfehlen täglich (gegebenenfalls sogar zur gleichen Zeit) zu schreiben. Ich bin mir sicher, dass diese Vorgehensweise für viele Autoren funktionieren mag. Was mich betrifft, ist das nicht so. Ich habe einen Alltag und ein Privatleben und beides würde - salopp gesagt - den Bach hinuntergehen, wenn ich nicht ab und zu eine Auszeit von meinen Manuskripten nehmen würde.

Meine Erfahrung ist anders. Nach einem Tag Pause bin ich oft besonders produktiv und schreibe überdurchschnittlich viel in wenig Zeit. Vielleicht ist das so, weil ich während meiner selbst auferlegten Zwangspause neue Ideen entwickelt habe, oder weil ich es nach dieser fast nicht auszuhaltenden Abstinenz kaum erwarten kann, *endlich* wieder an meinen Computer zu dürfen. (Ja, die spinnen die Schriftsteller!Zunge ausstrecken)

So, nach diesem kleinen Exkurs nun wieder zurück zur ursprünglichen Frage: Wie lange dauert es nun, bis ich einen Roman geschrieben habe?

Da ich mir geflissentlich die erwähnten schreibfreien Tage gönne, benötige ich ca. drei bis vier Monate für eine Romanerstfassung. Diese Zeitspanne entspringt weniger einem Rechenspiel, als meiner tatsächlichen Erfahrung. Nur ist eine Erstfassung kein Roman, der am Ende wirklich den Weg in eine Buchhandlung findet. Ich überarbeite meine Manuskripte mehrfach, was bedeutet, dass ich manchmal noch Änderungen im Handlungsstrang vornehme und lange an einzelnen Passagen und Formulierungen feile. Dabei vergehen Tage und Monate, insbesondere weil es sich empfiehlt, ein Manuskript zwischendurch für ein paar Wochen unbeachtet auf der Festplatte schmoren zu lassen.

Am Ende des gesamten Romanentstehungsprozesses steht dann das Lektorat, das auch seine Zeit beansprucht. Vor allem, wenn man es wie ich, mit einer hervorragenden Lektorin zutun hat, die nicht die klitzekleinste Nachlässigkeit durchgehen lässt. (Bedauern Sie mich bitte nicht! Ich liebe Susanne Swolinski dafür!)

Nachdem ich nun immer noch nicht auf den Punkt gekommen bin, fragen Sie sich bestimmt inzwischen etwas genervt, wann ich endlich konkrete Zahlen nenne. Hier meine Antwort:

Wenn Sie bereits einen Verlag haben, keine Schreibblockade dazwischenkommt, Sie sich bei der Plotkonstruktion nicht verspekulieren, zufällig ein Programmplatz frei ist und Sie schreiben wie ein junger Gott, können Sie in vier Monaten Ihren Roman in den Buchhandlungen bewundern.

Falls Sie ,wie ich, bloß ein Mensch sind, gehen Sie lieber von sechs bis zwölf Monaten harter Arbeit aus.


 
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