Ein Lektorat zum Verlieben
FAQs

Kürzlich wurde ich gefragt, wie es ist mit einer Lektorin zu arbeiten. Es scheinen sehr viele Menschen nicht zu wissen, was während eines Lektorats konkret geschieht, denn mir werden immer wieder Fragen zu diesem Thema gestellt. Deswegen will ich heute ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.

 

Sicherlich gleicht kein Lektorat dem anderen, und es lässt sich gar nicht pauschal sagen, wie ein Lektorat abläuft. Jeder Text hat seine speziellen Stärken und Schwächen, genau wie jede Autorin und jede Lektorin solche besitzt. Ich möchte hier deshalb nur einen kurzen Einblick geben, wie Susanne M. Swolinski und ich miteinander an Eine WG zum Verlieben arbeiten.

 

Es gibt Dinge über die wir nicht großartig diskutieren, wie Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik. Susanne korrigiert alles was im Text diesbezüglich im Argen liegt, zeigt mir die Fehler und versucht mein Deutsch aufzupolieren, indem sie mir wacker Regel um Regel erklärt. Leider gehöre ich zu der Generation, die in der Schule einen Mix aus neuer und alter Rechtschreibung gelernt hat, und somit keine der beiden Versionen umfassend beherrscht, ja sie gelegentlich nicht einmal ganz zweifelsfrei auseinanderhalten kann. Das heißt also, dass es für Susanne viel zu erklären gibt … Ich bewundere immer wieder ihre Engelsgeduld mit mir. :-)

 

Nun hat jedes Manuskript leider auch Probleme, die über pure Formalien hinausgehen. Das sind gewöhnlich entweder inhaltliche Unstimmigkeiten, oder Textstellen die ihre Wirkung verfehlen, bzw. durch eine Änderung effektvoller sein könnten. Hier muss umgeschrieben werden, was heißt, dass es ans „Eingemacht“ geht. Solche Stellen werden von Susanne für mich im Text markiert und kommentiert. In ihren Kommentaren erklärt sie mir immer sehr ausführlich, woran es hapert und gibt mir Anregungen wie ich das Problem beheben könnte, oder macht mir konkrete Vorschläge. Die Problemlösung ist allerdings dann an mir, was heißt, dass ich mich intensiv mit der Textstelle auseinandersetzen muss, und meine Kreativität gefordert ist. Normalerweise erarbeite ich eine neue Textversion, und lege diese dann wieder meiner Lektorin vor, die mir ein Feedback für meine Änderungen gibt.

 

Das ist eine ziemlich aufwendige Vorgehensweise, sowohl für mich, wie für Susanne. Gerade für meine Lektorin wäre es sicherlich einfacher, mir die Lösung für jedes Textproblem auf dem Silbertablett zu servieren, oder eben weniger anspruchsvoll zu sein, und mehr Schwachstellen im Manuskript zuzulassen. Nur würde das die Qualität des am Ende fertigen Romans senken, und das würde weder mir als Autorin, noch euch Leserinnen gefallen.

 

Deshalb arbeiten wir an jedem Textproblem, bis es gelöst ist. Manchmal gibt es Sätze und Absätze, für die sich nicht auf Anhieb eine gelungene Fassung finde lässt. Dann diskutieren und formulieren wir ausgibt und lange, obwohl es im Endeffekt vielleicht nur drei Wörter sind die geändert werden. Ja, manchmal ist es nur ein einziges Wort, das einen guten Satz von einem schlechten unterscheidet, und trotzdem ist es wahnsinnig schwer genau dieses Wort zu finden.

 

Aber ich denke, als Autorin ist es meine Pflicht, das beste Buch in den Druck gehen zu lassen, welches ich zum jeweiligen Zeitpunkt schreiben kann. Andernfalls würde ich mich wie ein „Möchtegern“ fühlen; wie eine Autorin, die ihre Leserinnen um einen Teil des Lesevergnügens betrügt. Deshalb gilt für mich: Keine halben Sachen! Susanne teilt meine Philosophie und nimmt ihre Arbeit sehr ernst. Für jedes Manuskript, das durch ihre Hände geht, tut sie, was ihr möglich ist, um es zu einem besseren Buch zu machen.

 

Das akribische Arbeiten kommt natürlich nicht nur euch Leserinnen zugute, sondern auch mir als Autorin. Ich sehe ein Lektorat als Geschenk, als eine herausragende Chance, um mein Schreiben zu verbessern. Eine altbekannte Weisheit besagt "aus Fehlern lernen", aber das Dazulernen funktioniert nur, wenn es jemandem gibt, der einem die gemachten Fehler zeigt, erklärt und hilft sie zu beheben. Meine Lektorin gibt mir bei jedem Buch ihre volle Unterstützung, und damit die Gelegenheit, mich als Autorin weiterzuentwickeln. Dafür werde ich ihr immer grenzenlos dankbar sein.

 

Welches Buch am Ende eines Lektorats herauskommt, hängt allerdings bestimmt auch von der jeweiligen Autorin-Lektorin-Paarung ab. Ich denke, dass unser Charakter und unsere Talente immer beeinflussen, wie wir mit anderen Menschen arbeiten, und wie wir im Team Probleme lösen. Oft redet man von einer "Chemie" die stimmt, oder eben nicht stimmt. Ich will ein etwas weniger abstraktes Beispiel aus dem Sport geben:

 

Ein Lektorat ähnelt einem Tennisdoppel. Zwei grundsätzlich hervorragende Tennisspielerinnen, die aber nicht miteinander harmonieren, werden zusammen keinen Blumentopf gewinnen. Klappt jedoch das Zusammenspielt, wird das Team erfolgreich sein. Man stelle sich vor Miss Piggy und Kermit, Harry Potter und Lord Voldemort, oder Tarzan und Jane würden zusammen an einem Buch arbeiten. Das Endergebnis wäre sicher stets ein völlig anderes – aber wohl nicht immer ein gelungenes.

 

Wenn ich an Susanne und mich denke, fallen mir spontan auch so einige Paarungen aus der Film- und Fernsehgeschichte ein, die uns beiden ganz schön ähneln. Welche genau das sind, verrate ich lieber nicht, ich nehme nämlich in meinen Gedankenspielchen immer den "peinlichen" Part ein ;-). Nur so viel sei gesagt: Wir haben es nicht immer ganz leicht miteinander …

 

Natürlich gibt es zwischen uns auch manchmal Meinungsverschiedenheiten. Es wäre doch gruselig, wenn zwei Köpfe immer dasselbe denken würden, oder? Ich ecke regelmäßig mit meinen süddeutschen Sprachgewohnheiten an Susannes Stilmaßstab an ‒ der ist nämlich strikt über der Weißwurstgrenze angesiedelt. ;-) Außerdem habe ich den Eindruck, dass es insgeheim die Leidenschaft meiner Lektorin ist, meine Lieblingssätze im Manuskript aufzuspüren und dann schonungslos auseinanderzunehmen. Das Ärgerlichste an der ganze Sache: Susanne hat auch noch fast immer recht! ;-)

 

Spaß beiseite: Ich weiß, dass Susanne mein Manuskript nie kritisiert um mich zu kränken. Es geht in einem Lektorat immer nur um den Text, der verbessert werden soll, nie um persönliche Befindlichkeiten. Wer sein Manuskript voranbringen möchte, muss bereit sein, das eigene Schreiben zu überdenken und dabei auch Kritik einstecken können. Ich zumindest vertraue der Meinung und Erfahrung meiner Lektorin und bin damit noch nie schlecht beraten gewesen.

 

Nun möchte ich noch eine unerklärliche, aber nichtsdestotrotz immens wichtigere Sache erwähnen: Das Bauchgefühl. Auf meine Intuition verlasse ich mich immer, ob nun beim Schreiben oder Überarbeiten.

 

Am Ende eines Lektorats steht dann das fertige Buch, (hoffentlich in heimischen Bücherregalen und nicht im Lager einer Buchhandlung …) und spricht für sich selbst. Dann ist es an euch Leserinnen, zu beurteilen, ob wir unsere Arbeit gut gemacht haben, und mir Autorin bleibt nichts anders als zu wünschen: Viel Spaß beim Lesen!

 
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